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"Das hat der Schiri wirklich super gesehen. Egal, ob es jetzt ein Elfer war oder nicht."

Holger Stanislawski

Die Spielsucht und der Fußball

Eine Fußballer-Karriere ist nicht ganz ohne: besonders die begnadeten Talente, die in der zweiten und ersten Fußballbundesliga spielen können, sind mit Geld, Freizeit und einem hohen Ansehen gesegnet. Immerhin unterhalten sie ein ganzes Land mit ihrer Arbeit, insofern möchte keiner die Privilegien absprechen. Allerdings haben auch die rosigsten Aussichten ihre Schattenseiten, wie etwa ein neu erschienenes Buch der Journalisten Wigbert Löer und Rainer Schäfer beweist.

In “Zockerliga - Ein Fußballprofi packt aus” geht es um nichts anderes als um die Obsession mit dem Glücksspiel einiger Fußballer in Deutschland. Allen voran der ehemalige Fußball-Profi René Schnitzler, der einst für den FC St. Pauli spielte, packt aus seinem Leben aus und erzählt von der Spielsucht, die er erleiden musste. Wie viele andere Fußballer fängt auch Schnitzler an, sowohl mit der Mannschaft als auch in anderen Kreisen, viel Poker zu spielen. Wo andere Online Poker zu Hause vor dem Bildschirm zocken, ist es bei den Sportlern eher eine Sache des Prestiges: sie werden in pompöse Casinos eingeladen, mit Autos und hohen Einsätzen gelockt, die sie sich auch leisten können. Selbstverständlich verfällt nicht jeder einer Sucht. Viele sehen das Spiel als Zeitvertreib und als Unterhaltungszweck an. Dennoch ist die Gefahr so offensichtlich hoch, dass die Ignoranz des DFB dahingehend verwundert.

Im Fall von Schnitzler geht die Geschichte über die Sucht hinaus: durch Schulden, die er sich auch bei illegalen Wetten gemacht hat, führte der Weg zur Spielmanipulation. Hunderttausend Euro hat er bekommen. Im Nachhinein scheint es so, als hätte er nicht auf die Spiele eingewirkt. Doch wie viele andere Betroffene haben in ähnlichen Situationen so wie Schnitzler gehandelt?

Diese dunkle Seite des Fußballs wird in den Medien davon überschattet, dass sie auch öffentlich gerne ihre Glücksspiel-Leidenschaft äußern. Poker Online Werbung ist für viele kein Neuland, sondern gehört zu den Standard-Werbeverträge dazu. Welche Vorbildfunktion die Stars dadurch einnehmen, ist fraglich, zumal das Glücksspiel online in Deutschland in einer rechtlichen Grauzone existiert: das Spiel mit Einsatz von Echtgeld ohne staatliche Kontrolle ist eigentlich verboten, wenn es auch nicht geahndet wird.

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