Lahm schlägt Türken mit ihren eigenen Waffen
26. Juni 2008, 10:23 Uhr
Jochen Stoephasius
Und schon wieder: Am Ende gewinnen immer die Deutschen, selbst wenn sie das ganze Spiel über wie die sicheren Verlierer wirken. Meine Güte, wer hätte gedacht, dass wir gegen die mit dem letzten Mann spielende türkische Mannschaft so zittern mussten? Es war schon fast eine Frechheit, wie die deutsche Elf das Spiel anging. Was für haarsträubende Fehler in der Abwehr! Metzelder, Lehmann und wie sie alle heißen - ein Rückfall in die Zeiten des Angstfußballs, den man nach dem genialen Sieg gegen die Portugiesen doch überwunden geglaubt hatte.
Die türkische Mannschaft war nicht überragend, agierte aber mit so viel Leidenschaft und Kampfeswillen, dass sie uns teilweise regelrecht im Strafraum einsperrten. Unser Problem war nicht, dass die Türken in derselben Formation wie die Kroaten aufliefen, sondern dass sie in der Lage waren über 90 Minuten ein so aggressives Pressing zu spielen, was andere Mannschaften nur maximal eine Halbzeit aushalten. Respekt dafür an ihren Trainer Fatih Terim, den ich allerdings immer noch nicht leiden kann!
Wenn man etwas Positives beim deutschen Team suchen will, dann findet man es leider nur in der kaltschnäuzigen Chancenverwertung. Aber was heißt hier “nur” - das ist es ja, worauf es im Fußball letztlich ankommt: Am Ende zählt nur das nackte Resultat. Das wird sich auch Jens Lehmann denken, der schon wieder eine Leistung auf Kreisliganiveau geboten hatte. Herr Löw, nehmen Sie den Mann endlich aus dem Kasten!
Hätten wir nach Lehmanns Patzer damit gerechnet, dass wir die Partie noch in der regulären Spielzeit für uns entscheiden konnten? Schon wieder so ein spätes Türken-Tor. Aber wer zuletzt jubelt, jubelt länger! Das, was den Türken gleich dreimal bei diesem Turnier gelungen war, nämlich in den letzten Spielminuten eine verloren geglaubte Partie zu drehen, glückte diesmal uns: Philipp Lahm schloss ein schönes Solo mit dem fulminanten Treffer zum 3:2 ab - in der 90. Minute! Danach hatte das Zittern ein Ende, grenzenloser Jubel brach aus - und sehr, sehr viel Erleichterung! Nun wollen wir auch den Pokal!
ZDF fällt ins technische Steinzeitalter zurück
Die anschließende Siegesfeier verlief übrigens absolut friedlich: Alle türkischen Fans, denen wir begegneten, verhielten sich vorbildlich, gratulierten uns und wünschten uns viel Glück für’s Finale. So faire Verlierer habe ich selten gesehen! Respekt und herzlichen Glückwunsch für eine tolle Turnierleistung!
Wenn es an diesem Abend überhaupt zu Ausschreitungen gekommen wäre, dann nur aufgrund der steinzeithaften Fernsehübertragung des ZDF. Angesichts eines Etats in Milliardenhöhe darf es nicht passieren, dass wegen eines “Stromausfalls” in der Sendezentrale gleich mehrmals und minutenlang die Übertragung ausfällt und teilweise sogar nur ein Standbild läuft. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn wir deshalb die entscheidenden letzten Spielminuten verpasst hätten. Und dafür muss man auch noch Rundfunkgelder zahlen? Zum Glück war dies die letzte ZDF-Übertragung bei der EM 2008.
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26. Juni 2008, 10:31
Die Kritik am ZDF muss wohl teilweise zurückgenommen werden:
http://www.tagesschau.de/sport/euro192.html